Lob und Tadel

Lob und Tadel können förderliche Instrumente einer (hoffentlich konsensual vereinbarten) Lehrer - Schüler Beziehung sein.

In wirklich jeder anderen Form von Beziehung sollen durch Lob und Tadel immer Abhängigkeiten und Bedürftigkeiten gefördert werden (bewußt oder unbewußt), sind also in jedem Fall als (Macht) Missbrauchsversuch zu erachten!

Warum?
Weil derjenige, der Lob oder Tadel ausspricht, so wie: "Das hast Du gut gemacht!", oder "Darüber bin ich sehr enttäuscht von Dir!", in gewisser Weise die Position einer "höheren Autorität", einer "höheren Wahrheit" ein nimmt und über den gelobten oder getadelten Menschen ein Werteurteil abgibt.

Wer also danach strebt, ein souveräner Mensch zu werden, der verwehre sich besser vor jedem an ihn gerichtetes Lob und jeden an ihn gerichteten Tadel, außer er möchte seine eigenen frühkindlichen Prägungen (als ihm noch seine Eltern erklärten, wie man sich "richtig" und wie man sich "falsch" verhält) innerhalb seines Organismus' reaktivieren - denn das würde sein Streben nach Souveränität garantiert vereiteln.

Gerade aufgrund der frühkindlichen Prägung - die mit Sicherheit statt gefunden hat - sind die allermeisten Menschen leider sehr empfänglich für Lob und Tadel.
Ganz unwillkürlich freuen sich die Menschen und fühlen sich geschmeichelt, wenn sie Lob erhalten - und tappen damit in eine äußerst subtile, unscheinbare, aber auch äußerst bittere Falle.
Und ganz unwillkürlich zucken die Menschen zusammen, wenn sie getadelt werden (besonders, wenn ihnen die "Schwingung", in der der Tadel vorgetragen wurde, von ihrer Kindheit noch gut bekannt ist) - und bemerken zumeist nicht, dass aufgrund der Schwäche ihre Empfänglichkeit für Lob und Tadel die Ausrichtung ihrer Handlungen auf Erhalt des Lobs und Vermeidung des Tadels gerichtet ist - wodurch sie zu Marionetten derer werden, die die Macht beanspruchen, sie zu loben und zu tadeln.