Die Waldstein Sonate

Musik ist ein wesentliches Wirkelement der heiligen Ordnung der Mater - weil es um Frequenzen geht, die direkt in die Körper der Zuhörer eindringen.

Die Verdrehung, die in diesem Bereich sehr häufig passiert, ist Folgende: Aus dem strömenden Geist wird das Bild und die Vorstellung des strömenden Geistes gemacht.

Das klingt nun sehr kompliziert, in der Praxis bedeutet das, dass ein großer Prozentsatz der Menschen, die ein "klassisches" Konzert besuchen, dieses Konzert eigentlich ziemlich langweilig empfinden - das aber niemals zugeben würden, weil es sich ja um ein Stück eines großen Meisters der klasischen Musik handelt.
Diese Menschen erleben eine Vorstellung des Genusses beim Hören eines klassischen Stückes, aber eine Vorstellung ist eben nur ein Bild.

Nun haben aber auch die meisten Interpreten "klassischer Stücke" ihr liebe Not mit der Aufführung dieser Stücke, weil sie zumeist etwas ähnliches sind, wie Pharisäer, die Schriftgelehrten: Sie interpretieren die "heiligen Stücke" voller Ehrfurcht und können dabei aber nicht anders, als der allgemeinen Wahrheit der Zeit zu folgen.
So sind die berühmtesten Musiker sicherlich grandiose Beherrscher der von ihnen gespielten Musikinstrumente - auf der Suche nach dem Sinn, dem Geist und dem Leben.

Wer aber Ohren hat, der höre!

Man erahnt den Geist.
Man hört den Sinn.
Man spürt das Leben.
Der lebendige Geist dringt durch den Ton, wenn der Geist erahnt worden ist, wenn der Sinn gehört worden ist, wenn das Leben gespürt worden ist - aber sonst nicht.

Ich selbst habe mit Musik überhaupt nicht zu tun und spiele auch kein Instrument.
"Klassische Musik" hat mich deshalb nie besonders interessiert, weil sie, für mich, üblicherweise in einem extrem engen "weltanschaulichem Konzept" steckt.

Aber ich kann hören.
So erahne ich den Geist und ergründe den Sinn.

Und so zeigte sich, dass die "alten Meister", wie z. B. Beethoven oder Chopin, selbst überhaupt nicht engstirnig waren, sondern im Gegenteil vielmehr über einen klaren, offenen Geist und einen ausgebildeten und tiefen Intellekt verfügten.
Die Menschen, die ihre Werke interpretierten allerdings oftmals eher nicht...

Und auf diesem Wege ist folgende, meine, Interpretation der Waldstein Sonate von Beethoven entstanden.
Am Piano spielt Hermann Himmelbauer, ein guter Pianist, den man vor Beginn dieser Arbeit als ausgezeichneten Hobbypianisten bezeichnen konnte, der jedoch niemals in seinem Leben Geld für sein Klavierspiel erhalten hatte und dem auch die bescheidenste Konzertkarriere in jedem Fall verwehrt gewesen wäre. Um es in groben Worten zu formulieren: Um Konzerte zu geben, war Hermann als Pianist einfach nicht gut genug - und zwar in beinahe "allen Ebenen".

Die Arbeit verlief folgendermaßen: Ich durchforstete jede einzelne Sequenz der Sonate und versuchte so lange den Sinn der Sequenz zu ergründen, bis es anfing "zu klingen". Dabei hielt ich mich strikt an die Notation von Beethoven.

(Bloß im 2. Satz regte ich Hermann an, 2 einzelne Noten mit Akzent zu spielen, obwohl am Notenblatt kein Akzent verzeichnet ist - und zwar weil genau diese 2 Noten ohne Akzent wirklich extrem schwierig in "klingender Weise" zu spielen sind.)

Hermann konnte meine Anregungen erst dann am Piano umsetzen, wenn er diese verstanden hatte, sie ihm Sinn gemacht haben und wenn er diese Umstellungen schließlich verinnerlicht hatte.

Und jetzt spielt Hermann die ziemlich eindeutig "beste" Version der Waldstein Sonate, die es bislang gibt.
Das klingt zugegebenerweise ziemlich hochtrabend, doch man höre den Klang, den Sinn und die Geschichte, die Beethoven erzählt und vergleiche!
(Drei Sätze; zweiter Satz beginnt bei Minute 12.30; dritter Satz beginnt bei Minute 15.52)

 

Die Waldstein Sonate